ICH BIN HANNA.

ICH HABE EINEN BRUNDER. ER HEISST Oskar UND WURDE AM 08.12.2017 GEBOREN und HAT DAS DOWN-SYNDROM.

Ich rede nicht so gern darüber, dass mein Bruder das Down-Syndrom hat. Mit guten Freunden ja, aber mit Freunden, die ich noch nicht so lange kenne, lieber nicht. Bei mir in der Grundschule wurden die Kinder mit einer Behinderung viel geärgert, das war ganz schlimm. Mein Bruder ist auf einer Schule nur mit Kindern mit Beeinträchtigung, das habe ich mir für ihn gewünscht. Ich möchte nicht, dass er nach Hause kommt und sagt: Die ärgern mich alle.


Es ist oft nervig. Ich mache mir dann aber klar, dass er nichts dafür kann.


Ich bin sogar froh, dass er so ist wie er ist.
 


In der Grundschule habe ich selbst noch anders gedacht: Warum kann der nicht reden? Jetzt bin ich größer und anderer Meinung. Ich war früher selbst so eine Person, die immer gefragt hat: Warum bist du so? In der Grundschule war ein Junge, der nicht geredet hat. Warum redest du nicht? Jetzt frage ich mich, wie er sich wohl gefühlt hat. Er konnte ja einfach nicht reden. Wenn ich mir vorstelle, dass mich jemand so anspricht, würde ich mich doof fühlen.


Oskar braucht viel Zuneigung und Aufmerksamkeit. Er nimmt Leute an die Hand, motiviert sie. Wenn ich alleine mit ihm bin in meinem Zimmer, sage ich ihm Sachen vor: Ich bin wunderschön. Damit er das nachspricht. Er kann das noch nicht. Aber er soll das im Kopf haben und selbstbewusst werden.

 
Risiken und Nebenwirkungen…
Manchmal nervt er mich, dann ärgere ich ihn aus Spaß. Dann meckert er und dann sage ich: Ok. Ich gehe nach oben in mein Zimmer und komme später wieder runter. Aber ich versuche jede Chance mit ihm zu nutzen, weil ich ihn gar nicht so oft sehe. Das ist schade. 


Ich versuche, viel mit ihm zu machen, damit er sich nicht so alleine fühlt. 

Er reitet mein ehemaliges Pony. Zusammen ausreiten können wir noch nicht, aber später bestimmt, wenn er gut genug reiten kann.


Ich mache mit ihm Sprechübungen. Wenn er dann gar nichts mehr sagt, bin ich genervt. Dann lenke ich mich selber ab und versuche ihn, mit etwas anderem zu motivieren. Dann spielen wir zum Beispiel ein Puzzle.


Mein Tipp! 
Unternehmt etwas zusammen, verbringt Zeit zusammen. Bevor die Zeit nicht mehr so ist. Bleib ruhig, lass dich nicht so schnell nerven. Bleib geduldig. 

Manchmal tut er so, als wäre er ein Dino. Dann gucken ihn andere Kinder ganz komisch an und laufen zu ihren Eltern. Verpetzen geht gar nicht! Sie sollten zu ihm einfach sagen: Oskar, nein! Dann würde er auch aufhören. Aber sie lachen und sagen: Hanna, sag mal deinem Bruder, er soll aufhören. Aber das könnten sie lieber selbst sagen! Er versteht das Wort nein.

Wir wollen auf unserem Hof etwas für andere Familien mit Kindern mit Behinderungen bauen in unserem ehemaligen Kuhstall. Es würde Kindern mit Einschränkungen bei uns sicher sehr gut gefallen. 

 Ich komme gerne her ins Geschwisterkindprojekt, weil die Leute sehr nett und offen sind. Ich kann offen mit ihnen über meinen Bruder reden, viel offener als zum Beispiel in meinem Reitverein. Da kennen sich die Leute ja nicht so aus damit. 


Wir haben alle etwas gemeinsam: ein Geschwisterkind mit Behinderung. 


Er nennt mich Nanna und Oma manchmal Mama, weil er bestimmte Sachen noch nicht so gut aussprechen kann. Er mag gerne Trecker, mein Vater nimmt ihn immer mit, wir haben einen landwirtschaftlichen Betrieb. Er hat total viel Spaß bei Geburtstagen, wenn er bei anderen ist und dort viele Leute sind. Bei seinen eigenen ist es ihm manchmal zu viel, dann geht er rein und guckt ein bisschen Fernsehen. Er ist ein totaler Dino-Fan und guckt Jurassic-World als Zeichentrick-Serie. 

HANNA

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